Geschichtliche Entwicklung des Sanbô Kyôdan
*1 Alle japanischen Namen auf dieser Web-Seite werden in der ursprünglichen japanischen Weise geschrieben, d.h. die Familiennamen kommen zuerst. Um einem eventuellen Mißverständnis vorzubeugen werden alle Familiennamen auf dieser Web-Seite groß geschrieben

* Der erste Abt * YASUTANI Haku'un Roshi *1

      Der Sanbô Kyôdan ist eine religiöse Körperschaft des öffentlichen Rechts (shûkyô-hôjin), die am 8. Januar 1954 von YASUTANI Haku'un Roshi als Zen-Buddhistische Gemeinschaft gegründet wurde. YASUTANI Roshi, der am 5. Januar 1885 in Japan in Shimizu in der Präfektur Shizuoka geboren wurde, trat mit 13 Jahren als Mönch der buddhistischen Soto-Sekte bei. Im Jahre 1925 traf er auf HARADA Sogaku Roshi (1871-1961) und wurde schließlich einer seiner Dharma-Nachfolger. YASUTANI Roshi beklagte, wie sehr die Mönche der Soto-Linie zu seiner Zeit mit der nur oberflächlichen Ausführung von buddhistischen Zeremonien beschäftigt waren und dadurch die allerwichtigste Übung vernachlässigten, die sich um die Erfahrung der eigenen Wesensnatur bemüht. Deshalb verließ er die Soto-Schule und gründete eine unabhängige religiöse Gemeinschaft, den Sanbô Kyôdan. Er wollte damit unter den wirklich ernsthaft suchenden Menschen, die zu seiner Zeit überwiegend Laien waren, authentisches Zen wieder zum Leben bringen. "Sanbô", wörtlich "drei Schätze", verweist auf die drei Grundprinzipien im Buddhismus: Buddha, Dharma, Sangha. "Kyôdan" hingegen ist die japanische Bezeichnung für eine religiöse Gemeinschaft oder religiöse Organisation. Bereits im Namen "Sanbô Kyôdan" kann somit sowohl die spirituelle Ausrichtung von YASUTANI Roshi erkannt werden als auch sein Entschluß, eine religiöse Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die sich allein dem wahren buddhistischen Weg und dessen Aufrechterhaltung hingibt.

    Die Art und Weise der Entstehung des Sanbô Kyôdan läßt bereits erkennen, daß der fundamentale Charakter der Gemeinschaft dem der Soto-Linie entspricht. In Fortsetzung der von HARADA Sogaku Roshi abstammenden Tradition wurde jedoch auch die Methode der Koan-Schulung, die in der buddhistischen Rinzai-Sekte üblich ist, in die Zen-Praxis des Sanbô Kyôdan integriert. Mit Hilfe der Koans soll es den Zen-Schülern und Zen-Schülerinnen ermöglicht werden, so wirksam wie möglich zur Erfahrungserkenntnis ihres wahren Selbst zu gelangen.

    Auf diese Weise unterrichtete YASUTANI Roshi unzählige Zen-Übende sowohl in Japan als auch - von 1962 an - in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika. Im Jahre 1970 trat er von seiner Position als Vorsitzender und Leiter des Sanbô-Kyôdan zurück und übertrug sie YAMADA Kôun Roshi, der von da an die Führung der Organisation
übernahm. YASUTANI Roshi verschied am 23. März 1973.
YASUTANI Haku'un Roshi

* Der zweite Abt * YAMADA Kôun Roshi


    Der zweite Abt des Sanbô Kyôdan, YAMADA Kôun Roshi, wurde am 18. März 1907 in Nihonmatsu, in der Präfektur Fukushima, Japan, geboren. Er begann seine Zen-Übung 1943 in der Mandschurei unter der Führung von KÔNO Sôkan Roshi. Nach seiner Rückkehr nach Honshû, Japan, widmete er sich ganz dem Zazen sowohl unter ASAHINA Sôgen Roshi vom Engakuji-Tempel in Kamakura als auch unter HANAMOTO Kanzui Roshi vom Mokusenji in Ôfuna. Er selbst wurde jedoch nie Mönch, sondern setzte seine Arbeit in der Geschäftswelt fort. Seine diesbezügliche Hauptaufgabe bestand darin, das Medizinische Zentrum, Tokyo Kembikyôin, zu leiten.

    Er empfing die buddhistischen Gelübde im Jahre 1950 von HARADA Sogaku Roshi. Diese Verbindung brachte ihn in Kontakt mit YASUTANI Roshi, einem Schüler von HARADA Roshi. YAMADA Roshi lud YASUTANI Roshi 1953 ein, die Leitung der Zengruppe mit dem Namen "Kamakura Haku'un-kai" zu übernehmen und einen monatlichen Zazenkai, ein eintägiges Zen-Treffen, in Kamakura abzuhalten. Im gleichen Jahr hatte YAMADA Roshi eine ungewöhnlich tiefe Erleuchtungserfahrung, die zu seiner Dharma-Nachfolge von YASUTANI Roshi im Jahre 1960 führte. 1967 wurde er dann von YASUTANI Roshi zum Zen-Meister (shôshike), und drei Jahre später zum Vorsitzenden des Sanbô-Kyôdan ernannt.
YAMADA Kôun Roshi
zazen
Das San'un Zendo als das zentrale Dôjô
der Eingang zum San'un Zendo
    Im Jahre 1969 errichtete Kôun Roshi - zusammen mit seiner Ehefrau Dr. Kazue YAMADA - das San'un Zendo auf seinem Familiengrundstück in Kamakura. Der Name "San'un", wörtlich übersetzt "drei Wolken", verweist auf die drei Zen-Meister derselben Linie: HARADA Daiun (Große Wolke), YASUTANI Haku'un (Weiße Wolke) und YAMADA Kôun
(Pflügende Wolke). Das San'un Zendo wurde von da an das zentrale Dôjô (Übungshalle) des Sanbô-Kyôdan. Japanische und auch nicht-japanische Zen-Übende wurden dort sowohl in den Zazen-Treffen, zazenkai, (zweimal pro Monat), als auch in den mehrmals jährlich stattfindenden mehrtägigen Treffen, sesshin, von YAMADA Kôun Roshi im Zen unterwiesen.

    Besonders nachdem Pater Hugo M. ENOMIYA-LASSALLE zum eifrigen Schüler von YAMADA Kôun Roshi geworden war, begannen viele christliche Priester, Nonnen, Pastoren und Pastorinnen den Roshi aufzusuchen und Zen zu üben.
    Als YAMADA Kôun Roshi am 13. September 1989 starb, hatten bereits 24 japanische und 21 nicht-japanische Schüler und Schülerinnen die formale Zen-Schulung des Sanbô-Kyôdan unter seiner Führung abgeschlossen.
Kôun Roshi mit Frau Kazue Yamada
Pater Enomiya-Lassalle*
Pater Enomiya-Lassalle (Mitte)
der Eingang zum San'un Zendo Kôun Roshi mit Frau Kazue Yamada
das Holzbrett genannt Han Trommel und Gong in Meditation San'un Zendo
das Holzbrett genannt Han Trommel und Gong in Meditation San'un Zendo

* Der dritte Abt * KUBOTA Ji'un Roshi


    KUBOTA Ji'un Roshi wurde 1932 in Tokyo geboren. Er begann seine Zen-Übung unter YASUTANI Roshi im Jahre 1949 und beendete seine Koan-Schulung im Jahre 1970. Nach dem Tod von YASUTANI Roshi 1973 bat er YAMADA Kôun Roshi um seine Führung. Im Jahre 1983 wurde er zum Zen-Meister (shôshike) des Sanbô-Kyôdan ernannt und gelangte 1985 zur Dharma-Nachfolge von YAMADA Kôun Roshi. Nach dessen Tod
übernahm er 1989 die Position des Vorsitzenden und Leiters des Sanbô- Kyôdan, die er bis Oktober 2004 innehatte.
KUBOTA Ji'un Roshi


* Der vierte Abt¼£¼£* YAMADA Ryôun Roshi

YAMADA Ryôun

    YAMADA Ryôun Roshi, 1940 in der Mandschurei geboren, wurde mit 16 Jahren Schüler von YASUTANI Roshi. Die formale Zen-Schulung beendete er im Jahre 1978 unter Kôun Roshi, dessen Dharma-Nachfolge er 1985 erlangte. Als Zen-Meister (shôshike) des Sanbô-Kyôdan übernahm er im Oktober 2004 die Leitung des gesamten Sangha Sanbô-Kyôdan


* Willigis JÄGER Roshi


    Neben KUBOTA Roshi und YAMADA Roshi gibt es zur Zeit zwei andere Zen Meister im Sanbô Kyôdan. Der eine ist der Benediktiner Pater Willigis JÄGER (Ko'un-ken). Er wurde 1925 in Deutschland geboren und traf über Pater ENOMIYA-LASSALLE 1972 erstmals mit YAMADA Kôun Roshi zusammen. Unter ihm beendete er 1981 seine formale Zen-Schulung und
führt seit dieser Zeit viele Menschen in Deutschland und Europa in ihrer Zen-Übung. Im Jahre 1996 erhielt er die Dharma-Nachfolge von KUBOTA Roshi und wurde zum Zen-Meister (shôshike) des Sanbô-Kyôdan ernannt.
Willigis JÄGER Roshi


* Gundula MEYER Roshi

Gundula MEYER Roshi

    Die andere Zen Meisterin des Sanbô-Kyôdan ist Gundula MEYER (Zuiun-an) Roshi. Sie stammt aus Lübeck, und ist ordinierte Pastorin der Evangelischen Kirche. Sie wurde 1977 YAMADA Kôun Roshis Schülerin und hat sich seither dem Zen gewidmet. Nach dem Abschluss ihres Koan-Studiums, das mehrere Jahre dauerte, ging sie wieder nach Deutschland zurück, wo sie 1987 in Ohof
ihr Zendo eröffnete. Außerdem leitet sie ein Zendo in Schweden. 2001 erhielt sie den Dharma von KUBOTA Roshi und wurde zur Zen Meisterin (shôshike) des Sanbô-Kyôdan ernannt.



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